Mazdaznan lehrt, dass der Mensch zwölf Sinne hat und dass sein Denkenswesen dem Entwicklungsgrad dieser zwölf Sinne entspricht. Der Gesichtssinn spielt unter ihnen eine sehr wichtige Rolle, weil er die Grundlagen für die Begriffsbildung und für die Beurteilung der Dinge in der Umgebung liefert. Je nach dem Eindruck, den der Gesichtssinn von einem Gegenstand erhält, ziehen wir unsere Schlüsse. Bei mangelhaftem Sehvermögen erfassen wir die Dinge der objektiven Welt nicht so deutlich wie mit guten Augen. Deshalb hat auch jeder ganz von selbst den Wunsch, alles so klar und scharf wie möglich zu sehen.
Diesem inneren Wunsch kommt diese Übung entgegen. Sie wird nicht nur unser objektives Sehen nach außen verbessern, sondern auch unser geistiges oder inneres Sehen, das Hell- oder Klarsehen so vervollkommnen, dass wir die Wahrheit vom Irrtum, das Licht von der Finsternis, den Reichtum von der Armut unterscheiden lernen. Mancher meint vielleicht, er könne Reich von Arm unterscheiden, wenn er auch vielleicht Wahrheit und Irrtum noch nicht recht zu trennen verstehe. Aber solange er den für reich hält, der auf dem Geldsack sitzt, leidet sein Denkenswesen unter einseitiger Gehirnentwicklung, sodass er nicht scharf beobachtet, sich täuscht, sich etwas Falsches einbildet und deshalb zu einem falschen Schluss kommt. Der Geldsack, auf dem der vermeintlich Reiche sitzt, ist dessen Unglück; er ist zum Sklaven des Geldsacks geworden und ist im Grunde der Ärmste der Armen. Sobald wir klarer sehen, erkennen wir das auch.